Klimaanpassung

Der Klimawandel ist auch im Kreis Ostholstein bereits spürbar und wird sich in den kommenden Jahren weiter auf Menschen, Natur, Infrastruktur und Wirtschaft auswirken. Häufigere und längere Hitzeperioden, Trockenheit, Starkregen und Überflutungen, Veränderungen im Wasserhaushalt sowie steigende Meeresspiegel und Sturmfluten an der Ostseeküste stellen den Kreis und seine Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Gerade als Küstenkreis mit vielfältigen Natur- und Agrarlandschaften, touristisch geprägten Orten sowie ländlichen und städtischen Räumen ist Ostholstein in besonderer Weise betroffen. Die Wasserstände an Nord- und Ostsee steigen nachweislich; höhere Sturmflutwasserstände und ein beschleunigter Meeresspiegelanstieg betreffen daher auch die ostholsteinische Ostseeküste.

Klimaanpassung bedeutet, sich frühzeitig auf bereits spürbare und künftig zu erwartende Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Ihr Ziel ist es, Risiken zu erkennen, Schäden zu begrenzen und die Widerstandsfähigkeit von Menschen, Siedlungen, Infrastruktur, Landschaften und Ökosystemen zu stärken. Dabei geht es nicht nur um die Reaktion auf einzelne Extremereignisse, sondern um langfristige Vorsorge: Wasser soll in der Landschaft und in den Orten gehalten werden, Gebäude und öffentliche Räume sollen besser mit sommerlicher Hitze umgehen können, und Natur sowie Böden sollen ihre wichtigen Schutzfunktionen erfüllen können.

Der Kreis Ostholstein erarbeitet ein Klimaanpassungskonzept. Gemeinsam mit Städten und Gemeinden, Fachbehörden, Verbänden, Unternehmen, Land- und Forstwirtschaft sowie weiteren Akteurinnen und Akteuren werden klimabedingte Risiken betrachtet und geeignete Maßnahmen entwickelt. Das Konzept soll eine Grundlage dafür schaffen, Klimaanpassung dauerhaft in Planungen, Entscheidungen und Investitionen im Kreisgebiet zu integrieren.

Klimaschutz und Klimaanpassung

Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zusammen, setzen jedoch an unterschiedlichen Stellen an. Klimaschutz begrenzt die Ursachen des Klimawandels, indem Treibhausgasemissionen reduziert werden, zum Beispiel durch Energieeinsparung, erneuerbare Energien, klimafreundliche Mobilität oder eine nachhaltige Landnutzung. Der Kreis Ostholstein verfolgt diese Ziele auf Grundlage seines Klimaschutzkonzeptes und informiert hierzu auf dieser Website.

Klimaanpassung befasst sich dagegen mit den Folgen des Klimawandels, die bereits eintreten oder künftig zu erwarten sind. Dazu gehören beispielsweise Schutz vor Hitze und Starkregen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser, die Stärkung von Böden, Gewässern und Wäldern sowie Vorsorge an der Ostseeküste. Beide Ansätze sind notwendig: Konsequenter Klimaschutz begrenzt das Ausmaß zukünftiger Risiken. Klimaanpassung schützt zugleich vor Folgen, die sich aufgrund bereits eingetretener Veränderungen nicht mehr vollständig vermeiden lassen.

Viele Maßnahmen wirken für beide Ziele. Bäume, Grünflächen, Dach- und Fassadenbegrünungen beispielsweise kühlen an heißen Tagen, bieten Schatten und halten Regenwasser zurück. Damit helfen sie bei der Anpassung an Hitze und Starkregen. Gleichzeitig speichern Pflanzen Kohlenstoff und können zum Klimaschutz beitragen.

Natur und Vielfalt stärken

Klimaanpassung bietet die Chance, Klimavorsorge mit Natur- und Biodiversitätsschutz zu verbinden. Besonders wirksam sind naturbasierte Lösungen: Maßnahmen, die die Funktionen von Böden, Gewässern, Pflanzen und natürlichen Ökosystemen erhalten, wiederherstellen oder gezielt nutzen.

In Ostholsteins Städten und Gemeinden können entsiegelte Flächen, Straßenbäume, Parks, naturnahe Grünanlagen und schattige Aufenthaltsorte die Hitzebelastung verringern und Regenwasser aufnehmen. Dach- und Fassadenbegrünungen können Gebäude vor sommerlicher Überhitzung schützen, Wasser zeitweise zurückhalten und Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen. Bei Starkregen können Mulden, Rigolen, Versickerungsflächen, Rückhalteräume oder offene Gräben dazu beitragen, das Wasser vor Ort zu speichern und die Kanalisation zu entlasten.

Auch die Landschaft spielt eine zentrale Rolle. Gesunde, humusreiche Böden, naturnahe Gewässer, Moore, Feuchtgebiete, Hecken, Knicks, Gehölze und artenreiches Grünland können Wasser zurückhalten, Bodenerosion mindern und Lebensräume miteinander verbinden. Sie erhöhen damit die Widerstandsfähigkeit der Landschaft gegenüber Trockenheit und Starkregen. Gleichzeitig tragen insbesondere Moore, Böden, Grünland und Wälder zur Speicherung von Kohlenstoff bei. Der Schutz und die Wiederherstellung solcher Ökosysteme verbinden somit Klimaanpassung, Klimaschutz und Biodiversitätsschutz.

Für die Land- und Forstwirtschaft können etwa vielfältige Fruchtfolgen, Bodenbedeckung, Erosionsschutz, Agroforstsysteme, standortangepasste Kulturen und strukturreiche Mischwälder dazu beitragen, mit zunehmender Trockenheit, Hitze und Starkregen besser umzugehen. An der Ostseeküste ergänzen der Erhalt natürlicher Küstenlebensräume und ein vorausschauender Umgang mit gefährdeten Flächen den technischen Küstenschutz.

Nicht jede Maßnahme erfüllt automatisch alle Ziele gleichermaßen. Deshalb müssen Klimaanpassung, Klimaschutz, Biodiversitätsschutz, Flächennutzung und soziale Belange von Anfang an gemeinsam betrachtet werden. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die mehrere Vorteile miteinander verbinden und mögliche Zielkonflikte frühzeitig vermeiden oder minimieren.

Vorsorge statt Folgekosten

Klimaanpassung ist auch wirtschaftliche Vorsorge. Extremwetterereignisse können erhebliche Schäden verursachen: durch überflutete Gebäude, beschädigte Straßen und Infrastruktur, überlastete Entwässerungssysteme, Ernte- und Waldschäden, Produktionsausfälle oder gesundheitliche Belastungen in Hitzeperioden. Betroffen sind private Haushalte, Kommunen, Unternehmen, Land- und Forstwirtschaft sowie die öffentliche Hand.

Für Deutschland wurden für den Zeitraum von 2000 bis 2021 mindestens 145 Milliarden Euro an extremwetterbedingten Schäden erfasst; etwa 80 Milliarden Euro davon entstanden allein seit 2018. Eine im Auftrag des Bundes erstellte Szenarioanalyse beziffert die möglichen kumulierten volkswirtschaftlichen Schäden für den Zeitraum von 2022 bis 2050 auf 280 bis 900 Milliarden Euro. Diese Schätzungen hängen vom Ausmaß der Erwärmung ab und erfassen nicht alle Folgen des Klimawandels.

Dass sich Vorsorge wirtschaftlich lohnen kann, zeigt auch eine internationale Untersuchung der Global Commission on Adaptation aus dem Jahr 2019: Für untersuchte Anpassungsinvestitionen, beispielsweise in Frühwarnsysteme, widerstandsfähige Infrastruktur und Wassermanagement, werden Nutzen-Kosten-Verhältnisse von 2:1 bis 10:1 angegeben. Einem investierten Euro kann demnach ein wirtschaftlicher Nutzen von zwei bis zehn Euro gegenüberstehen. Dazu zählen vermiedene Schäden und weitere wirtschaftliche Vorteile. Diese internationale Bandbreite ist keine Prognose für Ostholstein; der Nutzen einzelner Maßnahmen muss jeweils vor Ort bewertet werden.

Im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts soll untersucht werden, wie der Kreis Ostholstein Klimaanpassung künftig frühzeitig in Planungen und Entscheidungen berücksichtigen kann. Dabei soll auch aufgezeigt werden, wie bei Neubau, Sanierung und Umgestaltung von Gebäuden, Straßen, Plätzen, Grünanlagen und Entwässerungssystemen beispielsweise Verschattung, Begrünung, Regenwasserrückhalt und sommerlicher Wärmeschutz mitgedacht werden können. Das Konzept soll hierfür geeignete Maßnahmen und Möglichkeiten ihrer Umsetzung aufzeigen.

Ziel ist ein sicheres, lebenswertes und zukunftsfähiges Ostholstein. Vorausschauende Klimaanpassung soll Menschen und Sachwerte schützen, Natur und Landschaft stärken und dazu beitragen, die Folgekosten des Klimawandels zu begrenzen.

Information und Beteiligung

Auf dieser Seite informiert der Kreis Ostholstein künftig über die Erarbeitung des Klimaanpassungskonzepts, Beteiligungsmöglichkeiten, aktuelle Veranstaltungen, lokale Praxisbeispiele sowie weiterführende Informations- und Förderangebote.


Die Erarbeitung des Konzepts wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. 

Titel: „ANK-DAS-A1: Erstellung eines Konzepts zur nachhaltigen Klimaanpassung und für natürlichen Klimaschutz für den Kreis Ostholstein“
Laufzeit: 01.10.2026 – 30.09.2028
Förderkennzeichen: 67DAAN2361

Hier geht's zur Seite des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Hier geht's zur Seite der Zukunft - Umwelt - Gesellschaft (ZUG) gGmbH.

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